14. September 2015

Geschichten aus dem Paulanergarten.... ähh Kathmandutal

Namaste!
 
Eigentlich war als nächster Post eine Bilderreihe geplant, aber das Wlan hier ist wirklich (zur Zeit?!) sehr langsam und deshalb werdet ihr wohl auf Anschauungsmaterial noch etwas warten müssen.
Ich werde das dann vlt in einem Café in der Innenstadt machen, in dem es schnelles Internet gibt.
Aber hey, ich bin in Nepal. Hier ist vieles anders und alles braucht seine Zeit.
 

Aktuell sind ja 30 Leute mit der Organisation Karmalaya in Nepal unterwegs. Wie ich kürzlich erfahren habe, werden es im Oktober 60 Volunteers sein :O Und meine Mutter dachte, ich wäre der einzige Verrückte^^
Seit dem Erdbeben gibt es viel mehr Anfragen von Jugendlichen/jungen Erwachsenen, die hier helfen wollen. Eigentlich ja traurig, dass erst so eine Katastrophe passieren muss, damit die Leute hierher kommen wollen.
Die meisten gehen nach Gaujini, ein kleines Dorf, in dem Karmalaya (bzw. die Volunteers) Häuser baut. Aber auch andere Projekte werden von uns unterstützt.


Ich habe ja vor dem Erdbeben gebucht und bin körperlich eingeschränkt, weshalb ich mich dazu entschlossen habe trotzdem in "Nicht-Erdbeben-Projekten" zu helfen. Auch dort kann man etwas bewirken!
Ein Wochenende werde ich vlt dennoch nach Gaujini fahren und dann werde ich ja sehen, wie es dort so ist. Im Moment sind auch sehr viele Volunteers in diesem Dorf zum Häuserbau.

 
Am Donnerstag begann meine Arbeit im KAT Centre bei den Straßenhunden.
Um 6 Uhr klingelte mein Wecker, weil ich mit Lukas frühstücken wollte.
Ihm ging es aber gar nicht gut: Er hatte die ganze Nacht nicht geschlafen und erhöhte Temperatur… Deshalb entschied er sich nicht nach Gaujini zu fahren, sondern erst mal hierzubleiben.
Ich frühstückte dann alleine (die Mädels mussten noch früher weg) und ging zum Volunteerhaus, um den anderen auf Wiedersehen zu sagen.

Gestern fühlte sich Lukas fit genug, um endlich die Reise anzutreten. Er war verständlicherweise über seine Erkrankung nicht sehr erfreut und dementsprechend froh, dass es endlich losging.

 
Heute verließen wir die Arbeit früher, um in Thamel Geld zu wechseln und noch einkaufen zu gehen. An der Hauptstraße angekommen begann plötzlich der Regen und wurde immer schlimmer. Wir stellten uns wo unter und warteten…
Nach wenigen Minuten konnte der Boden nichts mehr aufnehmen und es bildeten sich Rinnsale, die immer weiter wuchsen. Aus den kleinen Bachläufen wurden schon fast Flüsse, die sich in die Erde fraßen.
Nicht nur Erde wurde so bergab transportiert… Auch Müll, Plastikteile oder Flip Flops schwammen an uns vorbei.


Gut, dass ich in der Früh meine Wäsche zum Trocknen auf der Dachterrasse aufgehangen habe. „Ist bestimmt super trocken, wenn ich zurückkomme…“, dachte ich mir.

 
 
So billig, wie hier viele Dinge sind, müssen andere Dinge auch teuer sein: Lebensmittel.
Das merkt man, wenn man im Supermarkt einkauft. Für eine kleine Packung Käse über 5€ zahlen, finde ich echt viel. Aber auch Obst und Gemüse ist oft sehr teuer.

Ich wollte mir ein kleines Stück Fertigpizza kaufen, weil man hier jeden Tag nur Reis und Kartoffeln isst. Mariell (die mit mir beim Straßenhundeprojekt ist) warnte mich jedoch, dass eine hier von der Pizza schon eine Lebensmittelvergiftung bekommen hat. Und das aus einem so großen Supermarkt...
Er ist wirklich riesig, was man an der Oreo-Auswahl gut erkennen kann ;)

 
Ich legte das Stück dann doch lieber zurück, auch wenn ich mich nach etwas Vertrautem gesehnt hatte.

Die Ernährung hier ist wirklich anders. Reis, Linsen, Kartoffeln, Bohnen, Blumenkohl und scharfe Gewürze. Proteine bekommt man fast nie… Auch habe ich hier noch nie Fisch oder Fleisch gegessen.

Wartet! Stimmt gar nicht: Heute hatte ich beim Abendessen zum ersten Mal 3 kleine Stücke Fisch :)


Man muss echt aufpassen, was man hier ansonsten isst. Salate sollte man sowieso meiden, aber auch Essen von den Ständen am Straßenrand gelten für uns Europäer als weniger bekömmlich. Viele Volunteers hatten schon eine Lebensmittelvergiftung, weshalb ich noch vorsichtiger bin.

 

Es gibt hier ein paar Mysterien. Mal mehr, mal weniger mystisch…

Mysterium „Schuhediebstahl“

Eines Morgens, als ich das Haus für die Arbeit verlassen wollte, fehlten vor der Türe meine Flip Flops… Ich hatte sie am Vorabend sicher dort ausgezogen, aber finden konnte ich sie nirgends. Ich bin dann extra nochmal hoch in mein Zimmer, um meine festen Schuhe zu holen.
Als ich von der Arbeit wiederkam, waren sie immer noch verschwunden. Na gut, wurden sie halt geklaut… Muss ich mir eben neue kaufen.
Abends allerdings wollte ich nochmal zum Volunteerhaus rüberschauen und stellte fest, dass die Flip Flops wieder dastanden; als wären sie nie bewegt worden. Stattdessen fehlten meine festen Schuhe. „Das darf jetzt nicht wahr sein!!“, dachte ich mir, denn diese Schuhe sind spezielle Lauf-/Trekkingschuhe und kosten viel Geld.
Komischerweise standen am darauffolgenden Morgen beide Schuhe nebeneinander und seit diesem Tag ist kein Paar mehr verschwunden.


Mysterium „Regenschirm“

Überall in der Stadt laufen Nepalesen mit offenen Regenschirmen durch die Gegend. Und das obwohl es nicht regnet, sondern die Sonne scheint.
Normalerweise müsste man doch denken, dass sie die Sonne gewohnt sind und höchstens halt ein Kappe oder Sonnenbrille brauchen. Beim Fotografieren ist das nämlich besonders blöd, weil du auf fast jedem Foto Regenschirme drauf hast.
Die ersten Tage hier waren halt auch sehr trocken und es regnete wenn dann nur kurz. Als aber auf einmal der Monsunregen losbrach, waren sie alle sofort geschützt, während ich erst mal mein Poncho aus den Tiefen des Rucksacks rauskramen musste.
Immerhin ist ja Ende der Regenzeit und nach diesem Ereignis löste sich dieses Mysterium auf, denn ihr Verhalten erschien auf einmal sehr logisch.


Mysterium „Nasse Straße“

Zwischen dem Haus, in dem ich wohne und dem Volunteerhaus gibt es ein Stück Straße (Sandboden), welches immer feucht ist. Auch nach mehreren Stunden oder Tagen Sonnenschein sind diese 100 Meter immer nass.
Hier dürft ihr nun etwas rumrätseln, warum das so sein könnte. Die Auflösung kommt ein andermal :D



Andere Geschichten

Maden zu Reis

Eine Aufgabe im aktuellen Hundeprojekt ist es Decken zu waschen. Ab und an sieht man da mal ein Made, die entweder aus den Wunden der Tieren gefallen ist oder aber von den Tierärzten beim Wunde versorgen einfach an der Decke abgestreift wird.
Letztens ist uns aufgefallen, dass Maden wie Reiskörner aussehen. Ich konnte dann nicht anders und sagte: „Ja und heute Mittag bekommen wir gar kein Reis zum Essen, sondern es werden einfach Maden eingesammelt und gekocht. Mmmmh lecker!“
Also einen guten Appetit, wenn es bei euch das nächste Mal Reis gibt ;)

 

Busfahren in Kathmandu

Das ist hier wirklich gewöhnungsbedürftig und am Anfang kann man sich, wenn man alleine unterwegs ist, nur verfahren. Weil:
Es gibt keine Bushaltestellen! Stattdessen winkst du einfach einem vorbeikommenden Bus und er hält an. Du steigst ein, fährst und wenn du wieder aussteigen musst, gibst du Bescheid und steigst du aus… Haha witzig!
Dazu musst du halt auch wissen, wie es bei deinem Ziel aussieht. Adressen gibt es nicht. Straßenschilder auch selten. Bedeutet: sehr gut beim ersten Mal aufpassen, wo du ein- und aussteigst, damit du auch wieder zurückfindest, sonst heißt es: Laufen!
Außerdem gibt es nicht nur einen Fahrer, sondern auch einen zweiten Mann. Er sammelt das Geld ein und steht immer wie eine Art Marktschreier an der Tür und schreit ausm Fenster raus, wohin der Bus fährt. Teilweise ist aber auch einfach die Tür offen...
Ach, und ein Bus kann nie voll genug sein. Es passen immer noch Leute rein, auch wenn sie halb aus der Tür hängen.

 
Tuktuk – Je mehr Komfort unten, desto weniger oben

In Asien sind die Menschen kleiner als in Europa. Dementsprechend niedrig sind die Türrahmen, aber auch die Autos.
Wenn ich jetzt in einem Tuktuk bin, bei dem die Bank ein besonders dickes Polster hat und ich sehr bequem sitze, kann es passieren, dass ich bei Schlaglöchern oder Bodenwellen (und die gibt es hier ja sehr oft) mit dem Kopf oben gegen die Decke knall… :/
Es gibt aber noch tiefere Decken in Tuktuks, in denen es dann wieder besser ist, weil ich mich zwischen Polster und Decke mit dem Körper einspreitzen kann und somit permanent die Decke berühre, die natürlich immer sauber ist….

 



Das war’s wieder mal aus Nepal!

Ein Eintrag über meine Arbeit und der Bilderbericht werden folgen :)
 

Tobi

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