8. September 2015

Kathmandu Tag 1 - Der Tag, an dem ich göttlich wurde

Bzw. ich starte früher. Wieder in Muscat am Zwischenhalt :)

Ich konnte dort nämlich ein Drama miterleben: Eine Frau hatte ihren Flieger ganz knapp verpasst und hat angefangen rumzuschreien. Irgendwann wurde daraus ein Heulen und Schluchzen, bis sie dann zusammenbrach und nur noch wimmerte. Das Personal versuchte sie zu beruhigen, aber vergeblich. Sie brachten die Frau in einen Nebenraum, aber man konnte sie trotzdem noch hören…
10 Minuten später wurde sie mit einem Rollstuhl abgeholt, weggefahren und ausgepeitscht. Nein, keine Ahnung, was mit ihr dann wirklich passierte^^ Aber es sorgte so oder so für genug Aufsehen. Mehr als ein Dutzend Reisende waren das Publikum, welches aber weggeschickt wurde. ENDE

Draußen hatte es als ich den Flieger verließ angenehmen 21°, aber der Flughafen wird so krass runtergekühlt, dass es selbst mit Strickjacke echt kalt war…

Es war 1.40 Uhr und ich wusste, dass in 5 min das Boarding am Gate 18 für den Flug nach Kathmandu beginnt. Nebenan war gerade Boarding nach München und ich wurde von den Aufrufern dort gefragt, ob ich denn nicht nach München müsse. Ich erklärte ihnen, dass ich da gerade herkomme und erstmal nicht vorhabe schon nach Hause zu fliegen :D


Zurück zu Gate 18: Auf den Displays wurde angezeigt „Last call for Dubai“ Und deshalb saß ich mich wieder hin. Auf einmal kamen gefühlte 2.000 Asiaten auf das Gate zugestürmt. Und ich dachte mir noch so: Die müssen wohl doch nicht alle noch nach Dubai?? Und dann hab ich sie mir genauer angeschaut und stellte fest, dass sie ziemlich nepalesisch aussehen. Warte… Das sind Nepalesen!
Na klasse :/ Die haben die Anzeige nicht aktualisiert und das war schon das Boarding für Kathmadu. Ich durfte mich dann ganz hinten anstellen, aber irgendwann konnte ich auch mal die Wartehalle betreten… 3 hellhäutige (zwei Frauen und ich) und der Rest alles Nepalesen. Da fiel man schon auf und es wurde geschaut und getuschelt. Hinzu kam noch, dass ich mit meinen „kleinen“ deutschen 1,78 Meter die größte Person im Raum war^^

Naja irgendwann kamen dann die Busse und das Gedrängel ging los. Ich hielt mich eher in den hinteren Reihen auf und war dann im zweiten Bus. „Nicht so schlimm“, dachte ich mir, „ich hab ja meinen festen Sitzplatz.“ Ja…. Was soll ich sagen… Wir kamen dann am Flugzeug an und als ich drinnen an meinem Sitzplatz stand, war dieser schon besetzt… Der Steward meinte, ob es mir was ausmache woanders zu sitzen, ich sagte „Nein“ und bekam einen Platz gegenüber.

Ich wurde dann recht schnell müde, immerhin war es beim Start auch schon knapp 3 Uhr (in Deutschland 1 Uhr) und ich hatte weder in der Nacht davor viel geschlafen, noch im ersten Flieger (dort nämlich gar nicht). Die Sitze waren nicht so bequem, also nahm ich das Kissen hinter den Rücken, was den Komfort schon ziemlich verbesserte. Dann ging es recht schnell und ich schlief ein.
Ab und an wurde ich mal wach, als es zum Beispiel Frühstück gab oder die Räder in Kathmandu aufsetzten. Was?? Schon da? Ja, ich habe tatsächlich die Landung verpennt und nicht einmal rausgeschaut, um Kathmandu oder den Himalaya anzuschauen. Aber ich hatte zu meiner Verteidigung auch keinen Fensterplatz durch den Sitzplatzwechsel.

Nun ja, wir verließen dann das Flugzeug und machten uns auf den Weg zum Flughafen.


In der Eingangshalle musste man dann sein Visumswisch zeigen und je nach Aufenthaltsdauer bezahlen. Danach ging’s weiter zum Schalter, an dem man das Visum abgibt, die Quittung zeigt und anschließend bekommt man sein Visumsbaperl in den Reisepass geklebt.

Es folgte nochmal eine Sicherheitskontrolle und man kam schließlich zu den Gepäckbändern. Mein Rucksack ließ ein wenig auf sich warten, aber dann ging es los Richtung Ausgang und man konnte wählen zwischen grün und rot. Ich wählte ganz unschuldig grün und hoffte nicht kontrolliert zu werden, denn die Zollbedingungen sind so altertümlich, dass sie glaube ich keiner beachtet. Darin steht nämlich sowas wie: Nur ein Musikinstrument, aber nur, wenn man Berufsmusiker ist oder aber: Nicht mehr als 10 Fotofilme für eine gebrauchte Kamera. Und natürlich nur einen gebrauchten Laptop.

Es ging alles gut, ich kam draußen an und suchte meinen Abholer, den ich nicht finden konnte^^
Die Organisation schrieb etwas von „geschultes Personal“ und „sie finden dich meistens schneller, als du sie“. Aber niente. Ich schob meinen Wagen mit Gepäck durch die Gegend und hoffte auf einen Mann mit Karmalaya Tshirt. Irgendwann sprachen mich zwei Männer an und fragten, wo ich hin muss. Ich sagte „Karmalaya“ und sie meinten „Ja, hallo. Guten Tag“ – sogar auf Deutsch! Naja ich folgte ihnen dann und wusste nicht so recht, ob sie diejenigen sind, die mich abholen sollten. Deshalb fragte ich nach Bhagwan. Sie riefen wen an und führten mich schließlich zum Karmalaya-Mann „Nawa“. Es war zwar nicht Bhagwan, aber diesmal wirklich einer von der Organisation.
Also waren die Zwei wohl nur so ne Art Mittelmänner :D

Er empfing mich herzlich, hing mir eine Blumenkette um, schoss ein Foto von mir vorm Flughafen und lud mein Gepäck ein. Am Parkplatz konnte ich schon die ersten Straßenhunde sehen.
Wir fuhren dann los Richtung Gastfamilie und er erklärte mir mehrere Sachen wie zum Beispiel die „Umgehungsstraße“, welche 29 km lang kreisförmig um Kathmandu liegt bzw. eher durch Kathmandu hindurch geht, wie so ne Art Beltway. Größtenteils ist die Straße in Ordnung und es gibt nicht sooo viele Schlaglöcher.


Am Gehweg waren neben den Hunden auch noch andere, kleinere Tiere, aber Katzen waren es nicht…
Seht am besten selbst:

Die ersten Affen in freier Wildbahn, die ich in meinem Leben zu Gesicht bekam :D
Zum Autofahren in Kathmandu kann man noch einiges sagen… Es ist Linksverkehr, weil das erste Auto, das nach Nepal gebracht wurde, eins aus England war. Es geht unheimlich zu auf den Straßen; viele Roller-/Motorradfahrer, Microbusse und Taxis. Es gibt eigentlich keine erkennbaren Regeln. Es wird einfach permanent gehupt. Vor jeder Kurve, beim Abbiegen, beim Überholen, aber auch wenn andere hupen oder es für uns keinen ersichtlichen Grund gibt. Es wird fast mehr gehupt, als gefahren. Auch gibt es verschiedene Hupen“sounds“. Hupen hier und hupen da. Hup. Fertig.
Ach und die Stromleitungen hier sind auch sehr … hmm .. ja „safety first“. Das Bild spricht eigentlich für sich:


Irgendwann verließen wir dann den Beltway und bogen einmal rechts und bisschen später links ab und es war wie so ne Downhillpiste für Mountainbikes^^ Schlaglöcher überall, bisschen Teer hier, mal bisschen Teer da. Ach da drüben reichen Tonscherben oder nee - da lassen wir einfach ein Loch.
So wird es beim Straßenbau sicher nicht ablaufen, aber aussehen tut es sehr danach.

Wir kamen dann so gegen 10 Uhr beim Haus meiner Gastmutti an und ich wurde mit „Namaste“ begrüßt, was ich ebenfalls erwiderte – natürlich mit gefalteten Händen und Verbeugung. Zu Deutsch: „Ich begrüße das Göttliche in dir.“ Und wenn sie das zu mir sagt, dann muss ich wohl göttlich in mir sein :D Auch bekam ich eine Tika auf die Stirn und es war wirklich ein herzlicher Empfang, der mit einer Tasse Tee weiterging, bei dem ich mir gleich mal ordentlich die Zunge verbrannte. Hier muss man halt das Wasser richtig kochen, um alles abzutöten, was da so rum’schlawanzelt.

Meine Muddl zeigte mir mein Zimmer:

Nicht schlecht!! Klein, aber fein. Die Matratze ein bisschen hart, aber hey: eine Matratze! Und mein Nachtkastl ist auch sehr geräumig. Dafür ist mir das Bett zu klein^^

Ich hab mich dann erst mal aufs Ohr gehauen ;) Mittags gab‘s dann das erste mal „Dal Bhat“. Linsensuppe mit Reis. Das wird hier 2 mal am Tag gegessen, aber immer mit bisschen anderen Currybeilagen. Beim Essen hat mir Volunteer Sybille Gesellschaft geleistet, die aber abends schon abgereist ist.

Später wollte ich das Angebot von Nawa annehmen und zum Einkaufszentrum fahren. War aber doch zu müde und schlief fast die ganze Zeit, bis dann gegen 6 Lukas ankam - ein neuer Volunteer: 21, aus Brüssel, fertigen Bachelor in Geographie, den er in Bristol (England) machte.
Er zog zu mir ins Zimmer ein und wird bis Mittwoch hier bleiben. Dann sind nämlich die Einführungstage zu Ende und er fährt für 5 Wochen nach Gaujini ins Workcamp. Danach will er Bergsteigen gehen und wenn es klappt nach Tibet weiterziehen.

Abends wurde uns wieder Dal Bhat mit Kartoffelcurry serviert, das Didi (= große Schwester; die Gastmutter) für uns „Europäer“ aber extra mild würzt. Unter mild verstehe ich zwar etwas anderes, aber die Nepalesen verstehen auch unter scharf etwas anderes :D

Dann stand uns die erste Nacht in Nepal bevor. Ich war aber hellwach, weil ich ja tagsüber geschlafen hatte^^
Den Lärm, den tagsüber die Hupen und Motorgeräusche machen, machen nachts die Hunde und Grillen. Das zieht sich dann bis 3 Uhr in der Früh und allmählich werden die Hunde von den Hähnen abgelöst. Wenn die Sonne aufgeht, werden schließlich auch die Grillen wieder leise, während das Hupen wieder losgeht. Richtig idyllisch also ;)

Das war mein erster Tag in Kathmandu und wie ihr seht, ist schon jetzt so einiges passiert :)


Pheri betaula! (Auf Wiedersehen!)  

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